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Kaspar Zwicker

Kaspar Zwicker
Kaspar Zwicker

Kaspar Zwicker wurde am 28. Februar 1878 in Eichstätt als Sohn des Kaufmanns Kaspar Zwicker und seiner Ehefrau Viktoria geboren. Nach seiner Priesterweihe am 22. Juni 1902 im Dom zu Eichstätt – er war ein Kurskollege von Maximilian Königer – wirkte er zunächst als Kooperator in Stopfenheim, Plankstetten und Berching. 1905 kam er als Pfarrprovisor nach Haunstetten und wurde anschließend nacheinander II. und I. Kooperator in Greding. 1909 erhielt er in Obereichstätt seine erste Pfarrstelle, 1921 übernahm er die Pfarrei Egweil. Am 26. Januar 1925 schließlich erfolgte seine Ernennung zum Pfarrer von Mailing.

 Dort gewährte er den Landwirten einen ganz besonderen Service. Da er zu den ganz wenigen Ortsbewohnern gehörte, die bereits im Besitz eines Radiogeräts waren, stenografierte er regelmäßig den Wetterbericht mit, ließ ihn dann abschreiben und an die Gartentür seines Pfarrhofs heften. Das war gerade während der Erntezeiten eine willkommene Hilfe.

 Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten kam er immer öfter in Konflikt mit den neuen Machthabern. Am 27. Juni 1937 ließ er bei einem Bittgang nach Feldkirchen Auszüge aus einer Predigt des Eichstätter Bischofs Michael Rackl verteilen, ebenso am 18. Juli in der Mailinger Pfarrkirche Auszüge aus einer anderen Predigt des Bischofs und Texte von Predigten des Kardinals von Faulhaber. Im Dezember 1937 äußerte er im Religionsunterricht: „Der Hitler ist ein Dreck gegen Gott. Gott ist groß und Hitler ist klein.“ Dafür wurde ihm im Januar 1939 eine scharfe Verwarnung durch das Landratsamt Ingolstadt erteilt. Im April erhielt er durch die Regierung von Oberbayern eine erneute Verwarnung  wegen einiger unbedachter Äußerungen im Religionsunterricht. So hatte er gesagt: „Die Mischehe zwischen einem katholischen und einem evangelischen Elternteil ist keine Ehe, sondern die leben nur so zusammen.“ Gleichzeitig wurde ihm angedroht, dass er bei weiteren Beanstandungen mit einem Entzug der Erlaubnis zur Erteilung des Religionsunterrichts rechnen müsse.

 Am 17. Dezember 1939 ließ er durch seinen Mesner Johann Dormeier in der Mailinger Kirche nach dem Sonntagsgottesdienst an zehn im Gut Erlachhof untergebrachte polnische Kriegsgefangene je ein Likörglas Rotwein und ein Plätzchen verteilen. Darüber erstattete der Gendarmerieposten Mailing am 20. Dezember Bericht an den Landrat von Ingolstadt. Dieser stellte am nächsten Tag fest: „Pfarrer Zwicker ist bei der Gestapo amtsbekannt.“ Am 11. Januar 1940 berichtete er an die Gestapo nach München, dass der Pfarrer gerne den Märtyrer spielen wolle. Seine Verhaftung habe aber nur dann den gewünschten Erfolg, nämlich ihn klein zu machen, „wenn sie wenigstens 4 Wochen dauert.“ Am 18. Januar ordnete die Gestapo-Leitstelle München einen Haftbefehl gegen den Pfarrer an. Darin wurde ausdrücklich festgestellt: „Sollte ein Haftbefehl nicht erlassen werden, ist er rückzuübernehmen und Schutzhaftantrag hier zu stellen.“ Am 22. Januar wurde Zwicker vorläufig festgenommen, in das Amtsgerichtsgefängnis Ingolstadt eingeliefert und sogleich vernommen. Darauf erging Haftbefehl gegen den Pfarrer, da durch seine Handlungsweise „das gesunde Volksempfinden gröblich verletzt“ worden sei. Die Verhaftung erfolgte „mit Rücksicht auf die Schwere der Tat.“ Es sei „nicht erträglich“, den Beschuldigten in Freiheit zu lassen. Hierauf legte Zwicker am 24. Januar Haftbeschwerde beim zuständigen Landgericht in Eichstätt ein, die tags darauf von der dortigen Strafkammer kostenpflichtig verworfen wurde. Gleichzeitig wurde der Fall an das Sondergericht München verwiesen. Am 1. Februar legte der Rechtsanwalt des Pfarrers dort Haftbeschwerde ein, da weder Verdunklungs- noch Wiederholungsgefahr bestehe. Am 19. Februar hob das Sondergericht gegen den Antrag der Staatsanwaltschaft den am 22. Januar erlassenen Haftbefehl wieder auf. Sogleich erging eine Weisung an das Ingolstädter Gefängnis, Zwicker „vorbehaltlich anderer Haftgründe“ aus der Haft zu entlassen. Dies geschah zwar, doch gelangte Zwicker nun in Gestapohaft nach München. Sogar seine Einweisung in das Konzentrationslager Dachau war bereits beschlossen, wurde aber schließlich doch nicht ausgeführt. Am 26. Februar erfolgte seine endgültige Freilassung und die Rückkehr nach Mailing. Fortan war er jedoch einer permanenten Überwachung durch die politischen Organe ausgesetzt, da die Gestapo in der Person des Pfarrers den Vertreter einer päpstlichen Geheimorganisation zum Sturz des Hitlerregimes vermutete.

 Im Februar 1940 wurde auch gegen Mesner Dormeier (1883-1961) Strafanzeige erstattet, jedoch unterblieb der Erlass eines Haftbefehls, da seine Tat zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Monate zurücklag. Gleichwohl befand sich Dormeier 14 Tage in Polizeihaft.

 Auf Weisung des Reichsministers der Justiz vom 30. Mai 1940 wurde das Verfahren gegen Pfarrer Zwicker am 21. Juni eingestellt. Am 1. März 1941 wurde er zu seiner eigenen Sicherheit als Hufnagel’scher Benefiziat nach Beilngries versetzt. Von Dezember 1944 bis 1. Juli 1945 wirkte er, wie schon einmal 40 Jahre zuvor, als Pfarrprovisor in Haunstetten. Am 1. Oktober 1960 resignierte er auf sein Benefizium und ging als Kommorant nach München. Dort starb er am 25. Januar 1965 und wurde drei Tage später im Waldfriedhof beerdigt. Zwicker, der Ehrenbürger der Gemeinden Obereichstätt, Schönau und Mailing war, starb kurz vor Vollendung seines 87. Lebensjahres.

Edmund Hausfelder

Quellen und Literatur

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