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Schwester M. Euphemia Blaschke

Schwester M. Euphemia Blaschke
Schwester M. Euphemia Blaschke

„Wiewohl am 23. Oktober 1991 im Alter von 85 Jahren verstorben, ist Schwester M. Euphemia Blaschke noch vielen in Ingolstadt in Erinnerung. Unvergessen ist ihren Schülerinnen die allem Neuen aufgeschlossene Pädagogin, die man auch als Künstlerin stets anerkannt hatte. Viele wussten auch um ihr künstlerisches Schaffen, man kannte und kennt vor allem ihre Wandbilder in der Kirche des Klosters.“ – Mit diesen Sätzen wird Schwester M. Euphemia Blaschke in einer anlässlich der Ausstellung ihrer Werke 2004 im Ingolstädter Stadtmuseum erschienenen Broschüre gewürdigt. Sie gehörte mehr als sechzig Jahre dem Schwesternkonvent des Klosters St. Johann im Gnadenthal in Ingolstadt an und widmete in zweifacher Weise ihr Leben dem Dienst an Gott und den Menschen – als Kunsterzieherin an den Gnadenthal-Schulen und durch ihr eigenes künstlerisches Schaffen, dessen Ziel stets der Lobpreis Gottes war.

1921 kommt die am 6. Oktober 1906 in München geborene Therese Viktoria Blaschke an die Lehrerinnenbildungsanstalt des Klosters Gnadenthal. An diese erste, dreijährige Ausbildung schließt sie 1924 bis 1928 ein Studium an der Akademie für angewandte Kunst in München an, um 1928 endgültig nach Ingolstadt zurückzukehren, wo sie bis 1979 an den Gnadenthal-Schulen als Kunsterzieherin tätig ist. 1929 tritt sie in das Kloster ein, ein Jahr später erfolgt die Ablegung der Ordensgelübde. Aus der Lehrerin und Künstlerin wurde Schwester M. Euphemia. In den 1930er Jahren entwirft Schwester M. Euphemia Paramente, die unter ihrer Anleitung von Stickerinnen im Kloster gefertigt werden. Während des Zweiten Weltkrieges, als der Schulbetrieb eingestellt werden muss, greift sie selbst zu Nadel und Faden und bessert Soldatenmäntel aus. Zudem ist sie als Laienhelferin im Städtischen Krankenhaus tätig. Nach dem Krieg nimmt sie ihre Lehrtätigkeit im Klassenzimmer wieder auf, die sie durch Unterrichtsgänge mit ihren Schülerinnen bereichert, mit denen sie Kirchen, Museen und Theater- sowie Ballettvorstellungen besucht. Sie schreibt und inszeniert Theaterstücke für ihre Schülerinnen und entwirft dafür Bühnenbild und Kostüme. 1951 entsteht ihr erstes großes Wandgemälde: In der Technik der Enkaustik – flüssiges Wachs wird dabei mit den Farbpigmenten vermischt heiß auf den Maluntergrund aufgetragen – malt sie einen zentralen Raum des Gnadenthal-Klosters völlig aus. „Wonnegarten des Hl. Geistes“ lautet das mystische Thema der Darstellung, die die einzelnen Früchte des Hl. Geistes als allegorische Gestalten zeigt, welche die Schwestern begleiten. Noch ein weiteres Mal gestaltet Schwester M. Euphemia in den 1950er Jahren einen zentralen Raum ihres Klosters mit den Mitteln der Enkaustik: Sie malt 1953-56 den Chor der Klosterkirche St. Johann im Gnadenthal aus, wobei sie einen erhalten gebliebenen Rest spätgotischer Malerei an der Südwand in ihr Werk integrierte.

Ende der 1960er Jahre steht die bildliche Ausgestaltung des Schwesternheims Mörnsheim im Zentrum ihres künstlerischen Schaffens: Zunächst entwirft sie 1967 einen Wandbehang zum Thema „Maria, Königin des Friedens“. In der Technik des Mosaiks wird ein von ihr entworfener Kreuzweg 1970 dort ausgeführt und bis 1973 schafft sie zahlreiche Bilder für das Heim. 1976 jährt sich das Bestehen des Klosters St. Johann im Gnadenthal zum 700. Mal und Schwester M. Euphemia leitet die Vorbereitungsarbeiten für das Jubiläum, steuert den Bildeinband und Skizzen für die Jubiläumsschrift bei, dichtet eine Klostergeschichte und entwirft die Kostüme für die Festaufführung. Im Festjahr erhält sie schließlich als Würdigung für ihre Lebensleistung am 3. Oktober das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

1979 beginnt im Alter von 73 Jahren ihr langer Leidensweg mit einer ersten, schweren Erkrankung, die sie zwingt, ihre Tätigkeit als Kunsterzieherin an den Gnadenthal-Schulen zu beenden. Ihr Wahlspruch offenbart dabei ihr Gottvertrauen und ihre Demut in der Annahme des Leidens: „Sei heiter, es ist gescheiter als alles Gegrübel. Gott hilft weiter; zur Himmelsleiter werden alle Übel.“ 1981 kann eine von ihren ehemaligen Schülerinnen initiierte Ausstellung ihrer Werke in der Aula der Schulen realisiert werden. Die Ausstellung ermöglichte einen Überblick über das reiche Schaffen der Ordensfrau: Von Porträts über Stilleben und sakrale Themen bis hin zu Landschaftsbildern schuf Schwester M. Euphemia Kunstwerke in den unterschiedlichsten künstlerischen Techniken. Es entstanden Wachsmalereien, Zeichnungen, Ölgemälde, Aquarelle und Stickereien. Auch während ihrer Krankheit blieb sie bis zu ihrem Tod am 23. Oktober 1991 künstlerisch aktiv und zeichnete Entwürfe für Wandbehänge und malte Ölgemälde.

13 Jahre nach ihrem Tod hatten im Herbst 2004 ihre ehemaligen Schülerinnen, Weggefährten und alle Bewunderer ihrer Kunst noch einmal die Möglichkeit, das breite künstlerische Wirken Schwester M. Euphemia Blaschkes zu studieren: Das Kloster St. Johann im Gnadenthal zeigte in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Stadtdekanat Ingolstadt und dem Stadtmuseum Ingolstadt unter dem Titel „Klosterfrau – Künstlerin: Sr. M. Euphemia Blaschke“ eine Auswahl ihrer Werke im Ingolstädter Stadtmuseum, zu der eine Broschüre erschien, durch welche das Œuvre und die Person in würdiger und lebendiger Erinnerung gehalten wird.

Simone Hartmann

Werkverzeichnis Sr. M. Euphemia Blaschke und Literatur

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