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Domkapitular Dr. Ludwig Rug

Jedes Jahr findet im Umkreis des Geburtstages von Domkapitular Dr. Ludwig Rug eine hl. Messe statt, die von Priestern aus seinem Freundeskreis zelebriert wird und die zahlreiche Familien mit Kindern und viele andere mitfeiern, die von diesem Priester unserer Diözese geprägt worden sind.

Ludwig wurde als letztes Kind des Eichstätter Sanitätsrats Dr. Ludwig Rug und seiner Gattin Mathilde, geborene Wohlmuth, am 29. Juli 1930 in Eichstätt geboren. Die verstorbene erste Ehefrau hatte vier Töchter hinterlassen. Ludwig wuchs mit ihnen in der Bischofsstadt auf. Wie der Vater waren alle vier Schwestern evangelisch, Ludwig als einziges Kind katholisch getauft. Seine Mutter hat bis ins hohe Alter gerne die Kapuzinerkirche besucht, sie ist 1981 verstorben. Mit seinen Schwestern pflegte Ludwig Rug auch später ein herzliches Verhältnis, besonders seine Schwester Amalgunde kümmerte sich mit um seinen Haushalt am Residenzplatz 9. Er hat das Willibaldgymnasium besucht und dort im Jahr 1949 das Abitur abgelegt. Gerne hat er Anekdoten aus der Schulzeit und von seinen Lehrern („Professoren“ genannt) erzählt, so den Ausspruch vom „Dusch Pepperl“: „Weiß es denn keiner? Rug, weißt Du's auch nicht? Und dabei is' es doch so lehrreich!“

Als sehr begabter und guter Schüler wurde er zum Philosophie- und Theologiestudium ans Pontificium Collegium Germanicum et Hungaricum und an die Päpstliche Universität Gregoriana in Rom gesandt; ans Germanicum empfohlen hatte ihn Professor Dr. Friedrich Dörr, ebenfalls ein Germaniker, ein „Frater maior“. Studium in Rom bedeutete in den Fünfzigerjahren sieben Jahre Abwesenheit von zuhause und Vorlesungen und Prüfungen in lateinischer Sprache. Dem Germanicum und Rom blieb Ludwig Rug zeitlebens eng verbunden. Er war dort 1956/1957 Präfekt der Theologen; als „Magister caeremoniarum“ war er verantwortlich für die Einführung der Mitstudenten (u. a. des späteren Erzbischofs Dr. Karl Braun) in die Liturgie; darüber hinaus war er als großer Wanderer an den freien Donnerstagen bekannt.

Der Kardinalvikar des Papstes für die Diözese Rom, Kardinal Clemente Micara, hat Ludwig Rug am 10. Oktober 1955 in Rom zum Priester geweiht; seine Primiz feierte er einen Tag später in der Kollegskirche in der Via San Nicola da Tolentino. In den Jahren nach seiner Priesterweihe bis zum 29. Mai 1959 war der junge Priester Kaplan für die Benediktinerinnen der hl. Priscilla in San Felice Circeo südlich von Rom. In dieser Zeit arbeitete er an seiner Doktorarbeit in Moraltheologie. Der Titel der bei Professor Dr. Joseph Fuchs SJ eingereichten und am 18. Juni 1959 angenommenen Dissertation lautet: Das Ärztliche Berufsethos, unter besonderer Berücksichtigung der Ansprachen Pius XII. über Ärztliche Fragen.

Aus der Zeit in San Felice stammen seine Freundschaften mit Familien dieses Fischer- und Touristenorts, an denen er später viele teilhaben ließ. So wurde er Firmpate und später Primizprediger für den Salesianer Don Boscos Ulderico Calisi.

Ins Bistum Eichstätt zurückgekehrt, war Dr. Ludwig Rug 1959/1960 Kaplan in Eichstätt und in der Nürnberger Pfarrei St. Rupert. Bereits am 1. Februar 1961 wurde er zum Direktor des Knabenseminars St. Richard und an Allerheiligen 1961 zum Subregens des Bischöflichen Seminars Eichstätt ernannt. In siebzehn Jahren als Subregens während der Regentenzeit von Dr. Andreas Bauch und Dr. Ludwig Mödl hat Subregens „Subi“ Ludwig Rug mehrere Generationen von Priestern aus der Diözese und darüber hinaus Speyrer und Kroaten geprägt. Er verkörperte Menschlichkeit und Väterlichkeit, Gastfreundschaft und italienische Lebensfreude.

Sehr wichtig war ihm die theoretische und praktische Einführung in die würdige und gewissenhafte Feier der Liturgie. Seit 1964 nahm er dazu auch den Lehrauftrag an der Philosophisch – Theologischen Hochschule und späteren Katholischen Universität wahr. Später kam ein Lehrauftrag am Seminar für Gemeindepastoral in Neuburg an der Donau für die Student*innen der Religionspädagogik dazu.

Zum 1. Januar 1979 wurde Subregens Rug von Bischof Dr. Alois Brems zum Domkapitular und zu Allerheiligen 1979 zum „Summus Custos“ des Hohen Doms zu Eichstätt ernannt. Als Domkapitular war Ludwig Rug für mehrere Aufgabenbereiche zuständig: er war Verantwortlicher für die Liturgie im Bistum und für die Träger liturgischer Dienste; für die Ministranten, für die Lektoren und beauftragten Kommunionhelfer*innen, für die Helfer*innen in der Erstkommunion- und Firmvorbereitung; außerdem für die Ständigen Diakone, die Pastoralassistent*innen und –referent*innen. Seit dem 1. Oktober 1984 war er Beauftragter des Bischofs für die Ordensgemeinschaften – mit den Mallersdorfer Franziskanerinnen im Priesterseminar war er seit seiner Subregentenzeit eng verbunden gewesen.

Die Sorge und Leidenschaft für die würdige und lebendige Feier der Liturgie fand ihren Niederschlag in einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen, die Ludwig Rug erarbeitete, in der Regel in enger Zusammenarbeit mit Bischofssekretär Domvikar Peter Waller und Domkapellmeister Wolfram Menschick. Zu nennen sind zuerst die Hilfen für die feierliche Bittprozession und die Feier der Bitt-Tage mit dem Priesterheft und dem Heft für die Gläubigen (1. Auflage 1977) sowie das „Eucharistische Lob“ zur Feier des Fronleichnamsfestes mit dem Priesterheft und dem Heft für die Gläubigen (1. Auflage 1977). Im Jahr 1982 erschien das Büchlein „Maiandachten – 40 Vorschläge für die gemeinsame und private Maiandacht im Monat Mai“. Dazu kam 1986 das Büchlein „Adventsandachten“, 1987 zum Willibaldsjubiläum das Wallfahrtsheft „St. Willibald“ und 1990 das „Vesperale für die Gemeinde“ für die Feier des kirchlichen Abendgebets. Auch eine Reihe von Kyrielitaneien und die Lieder „Herr, du hast uns eingeladen“ (Gotteslob Nr. 705) und „Die Boten, Gott, die du bestellt“ (Gotteslob Nr. 886) stammen von Ludwig Rug. Die Hilfen zur Liturgie fanden über die Diözese Eichstätt hinaus Verbreitung.

2013 wurde von den Liturgiewissenschaftlern Jürgen Bärsch und Winfried Haunerland der Sammelband Liturgiereform und Bistum. Gottesdienstliche Erneuerung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (Studien zur Pastoralliturgie 36) herausgegeben. Jürgen Bärsch stellt in seinem Beitrag Liturgiereform im Bistum Eichstätt. Skizzen zur Erneuerung des Gottesdienstes vor, während und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (ebd. S. 83 – 123) auch das Wirken von Ludwig Rug im Dienst der liturgischen Erneuerung im Bistum Eichstätt heraus. Als besonnenem Erneuerer ging es ihm darum, die Gläubigen für die „tätige Teilnahme“ an der Liturgie zu gewinnen. Dazu dienten u. a. Beiträge in der Kirchenzeitung, in denen er die neu dazugekommenen Hochgebete erklärt.

Georgi Geguchadze hat in seiner 2020 fertiggestellten Lizentiatsarbeit an der Theologischen Fakultät in Eichstätt das „Eucharistische Lob“ zur Feier des Fronleichnamsfestes in seinem Entstehen und Weiterwirken analysiert. Dabei wurde die vom Konzil intendierte Vergegenwärtigung des Paschamysteriums von Tod und Auferstehung Christi in den Mittelpunkt gestellt und die Prozession darauf hingeordnet. Rugs Arbeit hat weit über die Diözese hinaus Aufmerksamkeit gefunden.

Dem Subregens und Dozenten Rug war es ein inneres Anliegen, auch Seelsorger in einer Pfarrei sein zu dürfen. Von 1974 bis zu seinem Tod 1998 unterstützte er den Pfarrer von Pollenfeld, Herrn Willibald Appel, als „Kaplan“ in Wachenzell und Sornhüll. Mit den Gläubigen dort feierte er das Kirchenjahr und teilte mit den Familien Freude und Leid. Ein Höhepunkt dieses Wirkens war die Romwallfahrt der Wachenzeller und Sornhüller mit ihrem „Kaplan“ an Pfingsten 1997.

In unserer Diözese lebt Dr. Ludwig Rug in besonderer Weise weiter als Ministrantenseelsorger. Seit seiner Ernennung zum Subregens 1961 war es ihm ein Anliegen, die Ministrantenarbeit auf Diözesanebene anzubieten. Den Anfang bildeten Besinnungstage für Ministranten in der Osterwoche 1962, zu denen später weitere Veranstaltungen wie die jährlichen Hüttenlager und die regelmäßigen Italien- und Romwallfahrten hinzukamen. In seiner Diplomarbeit Die Ministrantenarbeit in der Pastoral am Beispiel der Diözese Eichstätt (2000) charakterisiert Markus Moder das Wirken von Ludwig Rug mit folgenden Worten: „Er war unermüdlich dabei, Ministranten für die Sache Jesu zu begeistern und sie durch sein Vorbild auf einen Weg mit Christus zu führen und zu begleiten. Für viele Ministranten ist er so zu einem väterlichen Freund und Berater geworden. Sein Haus in Eichstätt war ein zentraler Anlaufpunkt für viele Ministranten aus der ganzen Diözese. Dort trafen sich auch die Betreuer, die zusammen mit ihm die Veranstaltungen planten und durchführten“ (S. 71).

Als Seelsorger hatte Ludwig Rug Interesse am einzelnen; das zeigte sich zum Beispiel durch seine Kartengrüße, wenn er unterwegs war. Er hat Fähigkeiten bewusst gefördert; seine Arbeit mit den Ministranten war auf dem Prinzip aufgebaut, den Betreuern und Hilfsbetreuern bestimmte Aufgaben und Verantwortungen zu übertragen. Dabei hat er Verantwortliche bewusst ausgesucht; die Mitarbeiter in der Ministrantenarbeit hat er alle gekannt. Bei seiner Begleitung konnte er auch Kritik üben und wertvolle Hinweise zur Entwicklung geben; manchmal hat er auch seine Enttäuschung geäußert.

Ludwig Rug hat über seinen Priesterberuf gesagt: „Ich habe es noch keine Minute bereut.“ Und seine Begründung dafür war: „Weil man da den Leuten manchmal wirklich helfen kann.“ Mir fällt dazu die Sinngebung des hl. Ignatius von Loyola – als Gründer des Collegium Germanicum et Hungaricum Vater für den Alumnus Ludwig Rug – für den Priesterberuf ein, die er mit den Worten „iuvare animas – den Seelen helfen/nutzen“ zusammenfasst. Von dieser Grundmotivation war Ludwig Rug bestimmt. Ein Satz von ihm: „Manchmal zeigt einem der liebe Gott, dass er einen braucht“ hat sich mir eingeprägt.

In den Sommerwochen zog es Ludwig Rug regelmäßig nach Italien, in seine zweite Heimat. So war er auch im August 1998 in San Felice Circeo; am Morgen des 25. August, am Gedenktag des heiligen Königs Ludwig, feierte er in der Kirche der Immacolata die hl. Messe zu seinem Namenstag; es sollte seine letzte Messe sein: Am Nachmittag wurde er beim Baden am Meer von Gott, dem Herrn über Leben und Tod, im Alter von 68 Jahren infolge eines Herzversagens ganz unerwartet aus seinem irdischen Leben abberufen. Am 1. September 1998 feierte Bischof Dr. Walter Mixa mit zahlreichen Priestern und Gläubigen das Pontifikalrequiem im Hohen Dom; danach geleitete ein großer Trauerzug den Sarg des Verstorbenen zum Friedhof, wo Domdekan Dr. Albert Hopfenbeck die Beisetzung im Familiengrab leitete.

Clemens Hergenröder

 

 

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