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Sr. Alberista (Walburga) Dirsch SSpS

Sr. Alberista Dirsch SSpS
Sr. Alberista Dirsch SSpS

Zu den „Blutzeugen aus dem Pazifikkrieg (1941-1945)“ gehört Sr. Alberista Dirsch aus Emsing, die während der Kriegshandlungen am 6. Februar 1944 auf einem japanischen Transportschiff vor Neuguinea ihr Leben ließ.

Walburga Dirsch, so ihr bürgerlicher Name, wurde als 5. von 16 Kindern des Müllermeisters Rudolf Dirsch (1870-1948) und seiner Ehefrau Walburga geb. Herzner (1875-1958) am 18. April 1902 auf der Obermühle in Emsing bei Titting geboren. In Emsing wuchs die spätere Steyler Missionsschwester und Blutzeugin im Kreis einer sehr bodenständigen und gut katholischen Familie auf. Zwei leibliche Schwestern des Vaters und eine Schwester der Mutter waren Klosterfrauen. Ihr jüngerer Bruder Philipp Dirsch (1908-1970) wurde Diözesanpriester und war lange Zeit Münsterpfarrer in Ingolstadt, ihr knapp 3 Jahre älterer Bruder Rupert (1899-1968) wirkte als Missionsbruder Mansuetus Dirsch SVD in China, Chile und Timor als Landwirt und Gärtner.

Aus einem Nachruf im Archiv der Missionsschwestern in Steyl geht hervor, dass die junge Walburga Dirsch nach ihrer Volksschulzeit in Emsing zunächst für kurze Zeit in Eichstätt einen Kurs in Handarbeit machte und dann in München bei den Niederbronner Schwestern einen Kochkurs besuchte. Ansonsten half sie weiter zu Hause mit, bevor sie sich entschloss, in die Mission zu gehen: „Am 10. März 1926 folgte sie ihrem Bruder [Rupert] nach Steyl. Am 8. Dezember des gleichen Jahres erhielt sie das Ordenskleid und begann als Schwester Alberista das Noviziat [in der Missionsgenossenschaft der Dienerinnen des Heiligen Geistes – Congregatio Missionalis Servarum Spiritus Sancti]. Zwei Jahre später, am 8. Dezember 1928, legte sie in Steyl ihre ersten und am 17. Januar 1934 in Alexishafen [Neuguinea, Nähe  Madang] ihre ewigen Gelübde ab. Nach ihrer ersten Profess besuchte Schwester Alberista ein oder zwei Semester des Missionslehrerinnen-Seminars, merkte aber bald, dass ihre Begabung sie mehr auf die praktische Seite verwies. Sie widmete sich lieber der Küche und den häuslichen Arbeiten […]. Sie war eine grundehrliche und ausgewogene Frau. Die Novizinnen und Postulantinnen, denen sie die Arbeiten zuwies […], hatten es gerne mit ihr zu tun.“ Zudem hatte sie „ein großes Verlangen nach der Missionstätigkeit in der Südsee“.

Ihre Oberen gaben ihr die „Bestimmung für Neuguinea“, genauer: jenen nordöstlichen Teil der gleichnamigen Hauptinsel, der vormals deutsche Kolonie gewesen, seither australisches Mandatsgebiet war und heute mit dem seinerzeit britischen Südosten die Republik Papua-Neuguinea bildet, wogegen der damals niederländische Westen nun zu Indonesien gehört. Im Mandatsgebiet von Neuguinea gab es damals zwei Apostolische Vikariate, die den Steyler Missionaren als Missionsgebiet zugewiesen waren: Alexishafen (seit 1896) und Wewak (seit 1913). Seit 1899 wurden die Steyler Missionare von den Steyler Missionsschwestern unterstützt.

Der Nachruf fährt fort: „So reiste sie [Schwester Alberista] mit den Schwestern Arildis Engelbrecht, Egilberta Bertels und Imata Große Kintrup, die alle durch die Kriegsereignisse ihr Leben verlieren sollten, am 5. August 1931 ab und kam am 25. Oktober in Alexishafen an. Schwester Alberista kam mit großer Bereitschaft, jede Arbeit aufzugreifen, die ihr aufgetragen würde. Sie wurde viel in der Küche beschäftigt und musste in dieser Eigenschaft bald auf dieser, bald auf jener Station den Dienst versehen. Zu den schwierigsten Jahren gehörte die Zeit, in der sie mit Schwester Alphonsa Giele auf der Hauptstation St. Michael die Hausmädchen in der Gartenarbeit anzuleiten hatte. Da sie von Natur aus gesund und kräftig war, vermochte sie auch in den Mittagsstunden zu arbeiten, was in den Tropen nicht einfach und auch nicht allen möglich ist. Wer sie jedoch am Abend vom Garten heimkommen sah, konnte sehen, dass es auch für sie nicht einfach war. Sie sprach wenig von sich selbst und ihrer Arbeit. Lediglich, wenn das Gespräch auf ihren Bruder in Westkansu [China] kam, wurde sie etwas gesprächiger. Ihre innere Ausgeglichenheit und Ruhe waren eine gute natürliche Mitgift für die Tropen. Auch im Umgang mit den Mädchen blieb sie ruhig, und diese waren bereit, auf sie zu hören. Auf ihrer Arbeit ruhte sichtlich der Segen Gottes. Ihr Garten brachte einen reichen Ertrag, der auf der Hauptstation mit den vielen Missionaren, Schwestern und internen Schülern und Mädchen sehr willkommen war. Eine Zeitlang war Schwester Alberista auch die Köchin auf der Hauptstation [in Alexishafen].

Als das japanische Militär nach Neuguinea kam [Ende 1942 und dieses bis Kriegsende besetzt hielt], befand sich Schwester Alberista auf der Insel Manam. Im Juni 1943 wurde sie im Lager von Bogia [im Hinterland von Alexishafen] interniert. Als das Missionspersonal im November auf die Insel Manam verlegt wurde, arbeitete sie wieder in der Küche. Da war oft guter Rat teuer. Es waren über hundert Personen zu verköstigen, und es gab kaum etwas zu kochen. In dieser Not wandte sich Schwester Alberista noch mehr als sonst an den heiligen Josef. Wollte ihr eine Schwester bei der Arbeit helfen, so schickte sie diese zuweilen weg, sie solle zum heiligen Josef beten, damit er etwas schicke.

Am Abend des 5. Februar [1944] bestieg sie mit den anderen das [japanische] Transportschiff Yorishime Maru, wo sie am anderen Morgen ihr Leben unter den Kugeln und Granaten der angreifenden amerikanischen Flugzeuge lassen musste.“  

Paul B. Steffen SVD schreibt in Band II von „Zeugen für Christus“ (S. 1135f): „Kurz vor der japanischen Besetzung des australischen Mandatsgebietes Neuguinea war den Steyler Missionaren und Missionsschwestern von australischer Seite angeboten worden, mit nach Australien zu gehen, um dort in Sicherheit zu sein. Die Ordensoberen besprachen dieses Angebot mit ihren Mitbrüdern bzw. Mitschwestern. Die eindeutige und freie Entscheidung der Missionare lautete, man wolle auf keinen Fall die einheimischen Christen im Stich lassen, um das eigene Leben in Sicherheit zu bringen. Im Vertrauen auf Gottes Beistand und in Hingabe an seinen heiligen Willen wolle man die Gefahren in Kauf nehmen. Man war sich also durchaus der Gefährdung bewusst, schätzte aber die beschlossene Hingabe an die Mission und die Treue zur Herde der Getauften und Katechumenen höher ein als die eigene Sicherheit. […] Wir können daher wohl zu Recht die im Zweiten Weltkrieg wegen ihrer bewussten Glaubenstreue ums Leben gekommenen Missionare als Zeugen des christlichen Glaubens ansehen. Für Christus wollten sie ihr Leben ganz einsetzen; dafür war ihnen kein Opfer zu groß, auch nicht der Einsatz ihres Lebens.“ Er erklärt weiter: „Die große Zahl an Glaubenszeugen in Neuguinea lässt sich im wesentlichen in zwei Gruppen mit ihren Missionsleitern aufteilen. Es handelt sich da zuerst einmal um Bischof Joseph Lörks mit seinen Missionaren [und Schwestern] aus dem Vikariat Zentral-Neuguinea, die am 17.3.1943 [an Bord des japanischen Zerstörers Akikaze] durch die japanischen Militärs umgebracht wurden [da man sie für Spione hielt], und dann um die Missionsgruppe um Bischof Franz Wolf, die am 6.2.1944 als Internierte eines Schiffes Opfer eines amerikanischen Luftangriffes wurden. Daneben gab es aber auch noch weitere Blutzeugen von Missionaren.“  

In ihrem Buch „Die aus großer Drangsal kommen“ schreibt Sr. Sixta Kasbauer SSpS schon 1951 (S. 131) über die eben ihren Verletzungen erlegene Mitschwester Alberista Dirsch: „Da liegt die treue Schwester Alberista, die grundehrliche Seele, das Schutzkind der heiligen Namenspatronin und ersten deutschen Missionsschwester St. Walburga, aus der bayrischen Eichstätter Gegend. Sie wurde auch eine opferfreudige Missionsschwester, die nichts aus sich selber machte, Tag für Tag in der Küche oder mit den eingeborenen Mädchen in den Gärten arbeitete und sie die Arbeit lehrte. Dabei sprach sie sehr wenig von ihrem Tun, noch weniger von sich selbst, und Klagen, das kannte man bei ihr nicht. Und so liegt sie jetzt, in ihre Decke gehüllt, als Tote bei den Toten, nachdem sie unter den dahersausenden Geschossen und Granaten schon ihre Seele ausgehaucht hat. Sorglich wie immer hat sie ihren Schirm in den Gürtel eingebunden, um ihn nicht zu verlieren. Sie trägt einen zufriedenen, entschlossenen Zug um den Mund, so, als sei sie mit einer großen Arbeit fertig. Ja, ihre Lebens- und Leidensarbeit ist vollbracht.“

Michael D. Klersy

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