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P. Dr. Rupert Schabl MSC (1913-1994)

P. Dr. Rupert Schabl MSC
P. Dr. Rupert Schabl MSC

Gründungsdirektor der Knabenrealschule Rebdorf

P. Dr. Rupert Schabl aus der Landshuter Gegend, Mitglied der Ordensgemeinschaft der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu, wäre weder optisch noch akustisch auf einer niederbayerischen Aschermittwoch-Kundgebung groß aufgefallen. Man hätte ihn dort auch nicht zu suchen brauchen, ist er doch ein stiller, bescheidener Mann gewesen, der sich bei aller theologischen und weltlichen Gelehrtheit nie in die erste Reihe vordrängte. Dennoch ist er in die Geschichte Rebdorfs als Gründungsdirektor der Knabenrealschule eingegangen.

Ein Jahr vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde er am 12. September 1913 in Riedenberg als Sohn des Söldners Michael Schabl, also eines Kleinbauern, und seiner Ehefrau Rosalia, geb. Königbauer, geboren. Sein Vaterhaus liegt in einem Weiler mit vier Anwesen und gehört zur Pfarrei Reichlkofen in der Diözese Regensburg. Hier ist er in einer Familie unter fünf Geschwistern aufgewachsen. In Günzkofen besuchte er von 1919 bis 1924 die Volksschule. Darauf lebte und lernte er im „Liebeswerk“, dem Internat der Herz-Jesu-Missionare in Salzburg-Liefering.

Schon 1930 – nach der sechsten Gymnasialklasse – trat er im österreichischen Federaun in das Noviziat ein und legte dort, knapp achtzehnjährig, 1931 die 1. Profess ab. Anschließend besuchte er im Salzburger Institut seines Ordens wieder die Schule und erwarb 1933 als Externer im Gymnasium Borromäum der Erzdiözese Salzburg die Hochschulreife.

1934 bis 1943 studierte er an der päpstlichen Universität Gregoriana. Hier in Rom wird P. Rupert Schabl am 25. Juli 1937 zum Priester geweiht – mit Dispens, denn er war noch nicht 24 Jahre alt; auch waren seit seiner Diakonatsweihe noch keine drei Monate verstrichen –, und am 1. August feierte er in seiner Heimatpfarrkirche in Reichlkofen die Primiz. Der Überlieferung nach sei er von diesem Ereignis so bewegt gewesen, dass er bei einem Empfang – sehr beeindruckend für die Menschen! – kein einziges Wort herausgebracht habe.

1938 erwarb er in Rom das Lizentiat der Theologie; 1940 folgte die Promotion „summa cum laude“ zum Doktor der Theologie mit der Dissertation „Das Jawort der Mutter Gottes und die Erlösung nach den Theologen und Exegeten seit dem 12. Jahrhundert.“ Bis 1943 setzte er sein Studium fort und schloss mit dem Lizentiat in Philosophie und Kirchenrecht ab.

Darauf hatte er als Sanitäter bis Kriegsende den Militärdienst abzuleisten. Er sollte nach Russland, kam nur bis in die Ukraine und wurde auf dem Rückzug verwundet, kehrte schließlich infolge eines Unfalls in die Heimat zurück. Seine guten Lateinkenntnisse hatten einen Stabsarzt veranlasst, ihn zu seinem Assistenten zu machen. Bis Kriegsende leistete er seinen Dienst in einem Lazarett in Blaubeuren bei Ulm.

Anschließend schickte ihn sein Orden nach Donauwörth zu Kloster und Wallfahrtskirche Heilig Kreuz. Dort baute P. Christian Moser eine neue Knabenmittelschule auf als Fortsetzung der früheren Bürgerschule. Es war die erste sechsklassige Schule dieser Art mit Internat in Bayern nach dem Krieg, ein Schultyp, den es bisher nicht gab, der jedoch später zusammen mit Rebdorf Vorbild für die sechsstufige Bayerische Realschule wurde. Wie sich P. Schabl erinnerte, musste man praktisch bei Null anfangen, denn es gab keinerlei Lehrpläne. Alles hatte man sich selbst zu erarbeiten und dem Ministerium zur Genehmigung vorzulegen. Der Kontakt über das Salzburger Ordensprovinzialat zu Österreich leistete sehr gute Hilfe: Man konnte aus den Lehrplänen der österreichischen Hauptschule wichtige Bereiche übernehmen. P. Schabl blieb – abgesehen von einem sechswöchigen Einsatz im Ingolstädter Canisiuskonvikt – 13 Jahre in Donauwörth als Lehrer für Stenografie, Mathematik, Erdkunde, Religion und auch für Zeichnen (obwohl er das freie Zeichnen selbst nicht gut konnte, wie er in einem Interview eingestand). Hier arbeitete er bis 1959 als Präfekt und Lehrer.

Der Pater hätte eine wissenschaftliche Karriere einschlagen können, denn 1947 erbat ihn die Norddeutsche Provinz seines Ordens als Philosophieprofessor für die ordenseigene Hochschule in Oeventrop bei Arnsberg in Westfalen, doch hat der süddeutsch-österreichische Provinzialrat diesen Wunsch abgelehnt.

Die sechsklassige Realschule in Donauwörth fand in den 50er Jahren so großen Anklang, dass sich der vorherige Direktor dieser Schule, P. Christian Moser, als Provinzial nach einem geeigneten Standort für eine zweite Schule dieser Art umsah. Diese fand er – mit Unterstützung des späteren Rektors der Hochschule Eichstätt, Professor Alfons Fleischmann - in Rebdorf.

So erwarb der Orden 1958 vom Bayerischen Staat das ehemalige Arbeitshaus Rebdorf oberhalb Eichstätts zwecks Errichtung einer weiteren vier- und sechstufigen Knabenmittelschule mit Internat. P. Schabl wurde zum Gründungsdirektor berufen, und die neue Schule öffnete unter seiner Regie Ende September 1959. Die Anfänge waren erbärmlich, wie sich der Pater erinnerte: So habe man selbst die Schultafeln aus schwarz gestrichenen Brettern zimmern müssen! Dennoch werden im ersten Schuljahr in vier Klassen 93 interne und 17 externe Buben unterrichtet; und schon im Schuljahr 1961/62 lernen hier 376 Schüler.

Patres und Schwestern sowie „Zivilisten“ unterrichten, unter ihnen etwa der junge Volksschullehrer Anton Strauß, auch Diplom-Ingenieur Claudius Dostal und Dr. Hans-Joachim Neumann; Stenografie und Maschinenschreiben brachte sogar ein Mann aus der Wirtschaft, Alois Landerer, den Buben bei. Dass Rebdorf bald ein klangvoller Name wurde, dafür sorgte der Musiklehrer und Komponist Sepp Rubenberger: Viele seiner Schüler spielen bis heute weit über Eichstätt hinaus in Blasmusikkapellen. Die MC-Schwester Reinhilde Rieder aus Tirol lehrte ab 1960 Mathematik; dankbar erzählt sie, dass P. Schabl ihr Arbeiten abgenommen habe, wenn die Korrekturen nicht enden wollten. Und wie sie betont, habe eine großartige Aufbruchstimmung geherrscht. P. Karl Unger MSC – damals Religionslehrer und Präfekt – lobt, er habe 14 Jahre lang mit ihm zusammen gearbeitet und ihn nicht nur als einfühlsamen Vorgesetzten, sondern auch als überaus liebenswürdigen Mitbruder erlebt. Und aus den Anfangsjahren der Schule erinnert er sich, das „offizielle“ Eichstätt, vor allem die Lehrerschaft, habe das „Unternehmen Rebdorf“ zunächst skeptisch bis mitleidig betrachtet, ja spöttisch; man rechnete mit einer „Bruchlandung“ dieses waghalsigen Projekts. Doch nach einigen Jahren, als die externen Schüler schon zahlenmäßig in Rebdorf unübersehbar waren, fand Rebdorf die Anerkennung der Eichstätter Elternschaft. Übrigens gehörte auch P. Alfons Sattler seit 1960 zum Kollegium; nach einem weiteren Studium für das Lehramt ist er hier später, von 1980 bis 1999, Schulleiter.

Zunächst durfte Rebdorf nur unter Aufsicht der Staatlichen Realschule in Weißenburg bzw. Treuchtlingen das Zeugnis der so genannten Mittleren Reife erteilen. 1965 wird das Haus an der Altmühl als Schule in freier Trägerschaft staatlich anerkannt. Bald darauf, schon 1967, übergab P. Schabl glücklich, wie es Mitbrüder bestätigen, nichts mehr mit Verhandlungen zu tun zu haben, die Schulleitung an P. Leopold Kapa und fungierte fortan als Konrektor, erteilte auch in den unteren Klassen Unterricht, etwa in Mathematik. Am liebsten hätte er die Realschüler noch Latein gelehrt, denn dann wäre ihnen die deutsche Schriftsprache leichter gefallen, gestand er einem Kollegen.

Geistliche und weltliche Wissenschaft wusste er zu integrieren. Nicht nur sein theologischer Blick war in den Himmel gerichtet, sondern auch sein astronomischer. Schon in Salzburg und Rom konstruierte er Fernrohre. An der Rebdorfer Sternwarte aber sei er „unschuldig“, vielmehr meinte der Architekt, das Flachdach des Neubaus I. müsse aus architektonischen Gründen eine kuppelförmige Sternwarte haben –  und diese wurde dem Pater zum Lieblingsaufenthalt! Schülern und Lehrern zeigte er anschaulich die Bahnen der Gestirne, den Ring des Saturn, die Jupitermonde oder den Nebel des Orion. Bedauernd stellt er allerdings fest, dass Rebdorf nachts zwar nicht hell beleuchtet sei; doch auch eine geringe „Lichtverschmutzung” sei nicht günstig für Astronomie. 

Nicht nur in den Ferien zog es ihn aufs Land, denn sein Blick ist auch für die Erde geschult. Schon daheim hatte er in der Landwirtschaft mitgeholfen, zudem kenntnisreich Blumen und Kräuter gesammelt; und franziskanisch achtsam blickte er auf die Tierwelt.

Bei seinen Mitmenschen galt er als genügsam und freundlich, fast ein wenig schüchtern. Doch nahm er sich Zeit für sie, wenn er etwa spazieren oder zur Kirche ging. Seine Schüler kannten ihn nur im Talar als einen streng-freundlichen Pater. Sein schlichtes schwarzes Ordensgewand gürtete er mit einem Zingulum, mit seinem „Kälberstrick“, wie er es angesichts der Schulbuben schmunzelnd bezeichnete.

Auch die Musica sacra hat P. Schabl geschätzt. Als Gymnasiast hatte er das Orgelspiel gelernt, später in Rom und Donauwörth einen Chor geleitet. In Rebdorf spielte er jeden Sonntag die Orgel im Pfarrgottesdienst um halb acht und halb zehn Uhr und abends zur Andacht. Und getreu dem alten kirchlichen Wort „Wer singt, betet doppelt“ sang er bis zu seinem Tode im Kirchenchor im Bass.

Und noch eines darf erwähnt werden: Der Theologe Rupert Schabl hatte bei aller verbindlichen Glaubensfestigkeit doch ein ökumenisches Herz: Als seine Nichte ihren evangelischen Freund heiraten wollte, erwog die Familie, ob man dem jungen Mann nicht die Konversion zum Katholizismus nahe legen müsse. Doch der Missionar vom Herzen Jesu beschied: „Ein guter evangelischer Christ ist mir lieber als ein schlechter Katholik!“

P. Dr. Rupert Schabl MSC ist bis in seine letzten Tagen hinein ein froher, unprätentiöser Gottesmann gewesen. Er starb am 11. Februar 1994 im Kreiskrankenhaus Eichstätt. Eine große Trauergemeinde gab ihm drei Tage darauf das letzte Geleit zum Rebdorfer Friedhof.

Gregor M. Senge

Die Informationen stammen vornehmlich von P. Manfred Oßner MSC, P. Schabls Landsmann, und von P. Josef Höcherl MSC, dem Archivar des Ordens; sodann von P. Karl Unger MSC, damals Lehrer und Präfekt in Rebdorf, und von Sr. Reinhilde Rieder MC; nicht zuletzt auch aus einem Interview im Rebdorfer Pfarrbrief von Weihnachten 1984 sowie aus Gesprächen mit weiteren Zeitzeugen und aus eigener Erinnerung. gms

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