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Kardinal Joseph Schröffer

Joseph Kardinal Schröffer
Joseph Kardinal Schröffer

Durch sein Wirken als profilierter Diözesanbischof und Teilnehmer am II. Vatikanischen Konzil, als Fachmann für Fragen der Priesterausbildung und der Hochschulen und als hochrangiger römischer Kurienkardinal verlagerte sich Joseph Schröffers Wirken immer mehr von der Diözese Eichstätt hin auf die Ebene der Weltkirche, doch blieb er immer seiner Heimatdiözese eng verbunden:

Sein Elternhaus stand in Ingolstadt (*20. Feb. 1903). Sein Vater, von Beruf Malermeister, war als Soldat im Ersten Weltkrieg gefallen. Zusammen mit seinen vier jüngeren Schwestern erzog ihn seine Mutter.

Bereits als Gymnasiast fielen seine großen Begabungen auf, so dass der damalige Eichstätter Bischof Leo von Mergel (1905 bis 1932) ihn zur Ausbildung 1923 nach Rom an das „Collegium Germanicum“, eine Art Elitekolleg der Jesuiten, sandte. Seine wissenschaftlichen Studien absolvierte er an der Päpstlichen Universität „Gregoriana“; in jenen Jahren bildete sich bei ihm sein lebenslanges Interesse und seine Zuneigung zur Heiligen Schrift aus. 1928 wurde er in Rom zum Priester geweiht. Als Doktor der Philosophie, Doktor der Theologie und einem zweijährigen Spezialstudium am römischen Bibelinstitut kehrte er 1931 in die Diözese Eichstätt zurück. Nach eineinhalbjähriger Tätigkeit als Kaplan in Weißenburg wurde er 1933 als Professor für Moraltheologie, später auch Pastoraltheologie an die Phil.-Theol. Hochschule in Eichstätt berufen.

In den Jahren der Auseinandersetzung mit den kirchenfeindlichen Machenschaften des Naziregimes und der Kriegsauswirkungen berief Bischof Michael Rackl (1935 bis 1948) Schröffer 1941 zum Generalvikar und holte ihn somit in die Leitung der Diözese. In dieser notvollen Zeit war Schröffer häufig mit dem damaligen Domvikar und späteren Bischof Dr. Alois Brems unterwegs. Schröffer erinnerte immer wieder an die Episode, als er und Brems bei einem Fliegerangriff in München-Nymphenburg in einem Straßengraben Deckung suchten.

In den Kriegsjahren betrieb Generalvikar Schröffer eine intensive Korrespondenz mit Eichstätter Priestern und Theologiestudenten, die als Soldaten Dienst taten. Trotz widriger Kriegsumstände setzte er sich ein, die Pastoralkonferenzen, jährliche Zusammenkünfte der Seelsorger zur Weiterbildung und zum Erfahrungsaustausch, zu organisieren, um letztlich so auch den Zusammenhalt des Klerus in der Diözese zu stärken.

Nach 1945 sah er es als besondere Aufgabe, die über 100 000 geflohenen und heimatvertriebenen Menschen in der Diözese zu integrieren. Neben der konkreten Hilfe ging es ihm darum, das Verständnis und Hilfsbereitschaft für diese Gruppe unter den Gläubigen zu stärken.

Nach dem Tod von Bischof Michael Rackl wurde Schröffer Ende Juli 1948 von Papst Pius XII. zum Bischof von Eichstätt ernannt und von Erzbischof Joseph Otto Kolb von Bamberg am 21. September 1948 im Eichstätter Dom geweiht.

Als bischöflichen Wahlspruch wählte er sich ein Wort des hl. Augustinus: Redeamus ad cor ut inveniamus Eum – Kehren wir heim zu unserem Herzen, um ihn, Christus, zu finden (conf. IV 12,19). Nach einer Zeit geistiger und materieller Verwüstung durch den Zweiten Weltkrieg ist dies ein Ruf zur Innerlichkeit, um uns unserer tiefen Verbindung mit Christus und untereinander mehr bewusst zu werden. Ganz praktisch für das tägliche Leben rief Schröffer darum immer wieder zu zehn Minuten der Stille auf, in denen jeder und jede täglich ein Bibelwort bedenken sollte.

Doch der „bischöfliche Alltag“ verlangte dem Bischof gerade in jenen Jahren ein großes Maß an Einsatz und Aktivität nach außen ab: Wohnraumbeschaffung, Integration der Heimatvertriebenen, Gründung eines Siedlungswerkes, Wiederaufbau der Jugendarbeit, besonders der CAJ, Gründung und Ausbau von Seelsorgestellen, besonders im Nürnberger Raum mit über 70 Kirchweihen.

International bekannt wurde Schröffer als Präsident der deutschen Sektion der katholischen Friedensbewegung „Pax Christi“. Die Aussöhnung der Deutschen und Franzosen waren ihm dabei schon sehr früh nach dem Krieg ein zentrales Anliegen.

1953 gab er nach intensiven Vorarbeiten das diözesane Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“ heraus, das im deutschen Sprachraum Vorbildcharakter bekam. Bekannt wurde Schröffer auch durch seine wichtige „Scharnierfunktion“ bei der Erarbeitung des „Grünen Katechismus“, einem damaligen Standardwerk für Religionsunterricht und Katechese, das in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Eine besondere, bedeutsame weltkirchliche Initiative Schröffers war die Grundlegung einer Partnerschaft Eichstätts mit der indischen Diözese Poona, die bis zum heutigen Tag eine stabile und bereichernde Brücke zwischen den beiden Ortskirchen bildet.

Die Reihe seiner überdiözesanen Aktivitäten ist umfangreich: Auf sein Betreiben hin kam es 1958 zur Gründung einer kirchlichen pädagogischen Hochschule in Eichstätt, die zusammen mit der Theologischen Hochschule die Basis für die heutige Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt wurde. Weiterhin war er päpstlicher Visitator der deutschen Priester- und Knabenseminare und wurde schon früh als Mitarbeiter in der Theologischen Kommission zur Vorbereitung des Zweiten Vatikanischen Konzils berufen, was ihn häufig nach Rom führte.

Beim Konzil selbst (1962 – 1965) leistete Schröffer vieles als „Mann im Hintergrund“. Bei den Wahlen zu den einzelnen Fachkommissionen zu Beginn des Konzils wurde er mit der höchsten Stimmenzahl in die Theologische Kommission gewählt und ließ dabei sogar Kardinal König aus Wien hinter sich. Insider des Konzils schätzten Schröffers Arbeit. So konnte ihn Kardinal Joseph Ratzinger 1983 bei Schröffers Requiem in Eichstätt den Verstorbenen einen „stillen und gerade darum wirklich prägenden Architekten“ des Konzils nennen.

Seine Beiträge zum Volk-Gottes-Begriff und zum Wesen des Bischofskollegiums in der Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“, dem Herzstück aller Konzilsdokumente, und Schröffers Beitrag zur Friedens- und Abrüstungsfrage in der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute haben Gewicht. In der Diskussion um den Aufbau der Kirchenkonstitution und der darin enthaltenen theologischen Implikationen fand Schröffers Rede am 18. Oktober 1963 in der Konzilsaula viel Beachtung (Sacrosancti Concilii Oecumenici Vaticani Secundi, Vol. II, Pars II, Roma 1972, 70-76)

Vor Ende des Konzils kam es durch einen Briefwechsel zu einer besonderen Versöhnungsgeste der deutschen und polnischen Bischöfe, die Entfremdung und Gegnerschaft der Nachkriegszeit überwinden half. Schröffer und Karol Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II. leiteten diesen vielbeachteten Vorgang ein.

Nur kurz war es Schröffer möglich, die Impulse des Konzils in seiner Diözese umzusetzen. Denn 1967 berief ihn Papst Paul VI. (1963 bis 1978) als Sekretär und damit zweiten Mann der Bildungskongregation nach Rom und ernannte ihn zum Erzbischof. Schröffer machte keinen Hehl daraus, dass ihm dieser Schritt im 65. Lebensjahr schwer fiel, er ihn aber aus Gehorsam gegenüber dem Petrusnachfolger vollzog. 1970 erlitt Schröffer in Rom schwere Verletzungen durch einen Verkehrsunfall, der ihm trotz Wiedergenesung bleibende Schmerzen verursachte. Im Mai 1976 erfolge für Schröffer die ehrenvolle Berufung in das Kardinalskollegium, wodurch er an den beiden Papstwahlen 1978 als Stimmberechtigter teilnahm. Als Kardinal vollzog sich Schröffers Arbeit in verschiedenen vatikanischen Kongregationen („Ministerien“) und Kommissionen. Sein unermüdlicher Fleiß und Einsatz war im Vatikan sprichwörtlich bekannt.

In den letzten drei Lebensjahren wurde er mehrfach medizinisch im Nürnberger Theresienkrankenhaus der Niederbronner Schwestern behandelt, ein Ort, den er schon in früheren Jahren bevorzugt zur gesundheitlichen Verbesserung und Genesung aufsuchte. Zusammen mit seinen vielen Ferien- und Arbeitsaufenthalten im Neumarkter Provinzmutterhaus St. Josef des Ordens zeigt seine Verbundenheit gerade mit dieser Schwesternkongregation. Am 20. Februar 1983 konnte Kardinal Schröffer in Rom noch seinen 80. Geburtstag mit einem Dankgottesdienst begehen, doch verstarb er im gleichen Jahr am 7. September im Theresienkrankenhaus in Nürnberg; sein Grab ist in der neuen Bischofsgrablege des Eichstätter Doms.

Kardinal Schröffer übte in Orts- und Weltkirche in verschiedenen Ämtern große Verantwortung aus. Die jeweiligen Zeitumstände verlangten von ihm vielerlei Initiativen, Aktivitäten und Einsatz. Doch war Schröffer alles andere als ein Manager und Macher. Die Aufzählung der Aktivitäten werden nicht dem innersten Kern seiner Persönlichkeit gerecht. Dieses drückt angemessener sein bischöflicher Wahlspruch aus: „Kehren wir heim zu unseren Herzen, um Christus zu finden.“ Er weist nach innen: Joseph Schröffer hat die Einkehr, Sammlung und Stille gesucht und auf diese Weise die Kirche zu erneuern versucht. Sein Ziel war stets: Um Christus zu finden.

Werner Josef Hentschel

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