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Wolfram Menschick

Wolfram Menschick
Wolfram Menschick

Wolfram Menschick war mehr als dreißig Jahre lang Domkapellmeister, Domorganist und Diözesanmusikdirektor in Eichstätt. Er hat in seiner Amtszeit von 1969 bis 2002 die Kirchenmusik am Eichstätter Dom sowie die kirchenmusikalische Landschaft im Bistum Eichstätt und weit darüber hinaus geprägt.

Geboren am 28. Oktober 1937 ist Menschick in Regensburg aufgewachsen. Nach dem Abitur in Straubing absolvierte er sein Musikstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik in München. Er studierte Orgel bei Franz Lehrndorfer, Dirigieren bei Gotthold Ephraim Lessing und Komposition bei Harald Genzmer.
Bevor er 1969 nach Eichstätt kam, war er zuvor bereits in Regensburg und Amberg als Kirchenmusiker tätig.

In Eichstätt hat Wolfram Menschick den Domchor zu einem leistungsfähigen Ensemble geformt, das aufgrund seines hohen Niveaus weit über die Grenzen Eichstätts hinaus Bekanntheit erlangte. Mit der Mädchenkantorei hat er die Chornachwuchsarbeit am Dom begründet und die „Eichstätter Domkonzerte“ initiiert. Außerdem war er Gründungsmitglied und langjähriger Vorsitzender des Vereins "Freunde der Eichstätter Dommusik e.V.", dem er bis zu seinem Tod als Vorstandsmitglied angehörte.

Das Amt für Kirchenmusik hat er systematisch aufgebaut und strukturiert. In seine Amtszeit fällt die Errichtung von fünf hauptberuflichen Regionalkantorenstellen im Bistum für die Aus- und Fortbildung nebenberuflicher Kirchenmusiker.

Menschick war einer der produktivsten Kirchenmusikkomponisten des ausgehenden 20. Jahrhunderts und es gibt kaum einen Landstrich im deutschsprachigen Raum, in dem seine Werke nicht zum Repertoire der Kirchenchöre gehören. Den überwiegenden Teil seiner Kompositionen, darunter 36 Messen, über 200 Motetten und Psalmvertonungen, hat er für die Liturgie geschrieben und vieles davon für den Eichstätter Domchor. Im Blick hatte er aber auch die weniger leistungsstarken Chöre, denen er viele Stücke sozusagen auf den Leib schrieb. Nicht schwer zu singen, aber trotzdem klangschön, liturgiegerecht und qualitätvoll - nach diesen Maßgaben komponierte er.

Wolfram Menschick war Kirchenmusiker aus Leidenschaft und Berufung. Nichts war ihm mehr zuwider als Kirchenmusik ohne Tiefgang und ohne Bezug zur Liturgie. Mit seinem qualitativen Anspruch prägte und förderte er Generationen von Kirchenmusikern und war für viele eine große Lehrerpersönlichkeit. Dabei hat er jeden Schüler menschlich und musikalisch ernst genommen und nach Kräften unterstützt. Einerseits war er fordernd in Disziplin und musikalischem Anspruch, andererseits war er in seiner Herzlichkeit von geradezu väterlicher Güte. Vor dem Hintergrund seiner großen kirchenmusikalischen Erfahrung und einer natürlichen Autorität war er vielen ein wertvoller Ratgeber, der mit geschultem Ohr und einem klaren Blick die Dinge auf den Punkt bringen konnte. Dies zeigte sich sowohl in der kirchenmusikalischen Ausbildung von nebenberuflichen Kirchenmusikern im Bistum Eichstätt, als auch in seiner Lehrtätigkeit als Honorarprofessor an der Hochschule für Musik und Theater in München von 1986 bis 2000.

Nicht nur wegen seiner Kompositionen war Menschick bekannt, auch seine große Kompetenz im Glockenwesen machte ihn zu einem gefragten Ratgeber in Deutschland. So war er Glockensachverständiger des Bistums und Mitglied im Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen. Unter anderem wurde er um die fachmännische Prüfung der für die Frauenkirche in Dresden gegossenen neuen Glocken gebeten.
Er selbst hat 2006 die neue Benedikts-Glocke für das kleine Geläut im Nordturm des Eichstätter Doms gestiftet.

Vielen Menschen war er freundschaftlich verbunden, auch über den musikalischen Bereich hinaus. Er war geschätzt wegen seiner großen musikalischen Begabung, seiner Herzlichkeit, seiner Hilfsbereitschaft und vor allem auch wegen seines großen Humors. Wolfram Menschick engagierte sich nicht nur für die Kirchenmusik, sondern auch in vielen anderen Bereichen, unter anderem beim Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem und der „Vereinigung Allniederlandt“.

Menschick erfuhr in seinen letzten Lebensjahren viele Ehrungen. Bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand wurde ihm von Bischof Dr. Walter Mixa im Auftrag von Papst Johannes Paul II. die Ernennung zum Komtur mit Stern des Gregoriusordens überreicht. Er erhielt damit eine der höchsten Auszeichnungen, die der Papst an Laien verleihen kann. Aufgrund seiner Verdienste um die Kirchenmusik wurde ihm 2008 die Ehrendoktorwürde des "Pontificio Istituto di Musica Sacra", des Päpstlichen Kirchenmusikinstituts verliehen. Menschick war außerdem Träger der Bürgermedaille der Stadt Eichstätt.

Auch nach seiner Pensionierung 2002 war Wolfram Menschick kirchenmusikalisch und kompositorisch tätig. So entstanden unter anderem das Oratorium „Leben und Werk des Johannes von Gott“ und die Papst Benedikt XVI. gewidmete „Missa pro Papa“.
Sein letztes Werk, die Allerseelen-Motette „Gott, der Jesus von den Toten“ komponierte er wenige Wochen vor seinem Tod am 8. Dezember 2010.
Mit großer Zuversicht, tiefem Glauben und einer bewundernswerten Haltung hat sich Wolfram Menschick auf sein Sterben vorbereitet und blieb bis zum Ende seinem Lebensmotto „Te Deum laudamus“ treu. Bischof Dr. Gregor Maria Hanke OSB, dem er freundschaftlich verbunden war, feierte auf seinen Wunsch hin das Requiem im Eichstätter Dom. In der Predigt dankte der Bischof für sein verdienstvolles Wirken in Dom und Diözese und ging auf Menschicks besondere musikalische Begabung ein. So beschrieb er sein Leben als eine musikalisch reich ausgestaltete Partitur. Der Eichstätter Domchor unter Leitung seines Nachfolgers Domkapellmeister Christian Heiß sang unter anderem seine Missa „Te Deum laudamus“.

Die Musik von Wolfram Menschick ist sein bleibendes Vermächtnis, sein musikalischer Geist bleibt im Musizieren seiner Kompositionen lebendig.

Christian Heiß

Verzeichnis der Werke beim Jubilate-Verlag Eichstätt

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