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Prof. Dr. Franz Xaver Heidingsfelder

Am 2. Dezember 1882 wurde Franz Xaver Heidingsfelder in Waizendorf, einem Ortsteil des heutigen Wolframs-Eschenbach, in eine Landwirtsfamilie hineingeboren. Er war das sechste von insgesamt 11 Kindern, von denen allerdings nur fünf das Erwachsenenalter erreichten. Familie und Heimat bildeten Fixpunkte seines Lebens. So prägte ihn nicht nur seine bäuerliche Herkunft, sondern auch das Aufwachsen in der stark mittelalterlich anmutenden Kleinstadt. Seit dem Alten Reich bildete die ehemalige Deutschordensstadt Eschenbach eine katholische Enklave in einer mehrheitlich protestantischen Region. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden der Alltag und das öffentliche Leben der Kleinstadt vom Katholizismus bestimmt. Heidingsfelder wuchs also in einem ländlichen, katholischen Milieu auf. 
Nach der Eschenbacher Volksschule besuchte er das humanistische Gymnasium in Eichstätt. Mit dem Wechsel in die Bischofsstadt war die Aufnahme in das bischöfliche Knabenseminar verbunden. Damit war der Weg zum Priester vorgezeichnet. Nach dem Abitur trat Heidingsfelder ins Alumnat ein und begann ein Studium der Philosophie und Theologie am bischöflichen Lyzeum. Sein jüngerer Bruder, Georg (1887-1943), folgte Heidingsfelders Vorbild, wurde ebenfalls Priester und später Professor für Philosophie und Pädagogik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Eichstätt. Zu Franz Heidingsfelders Schulkameraden und Kommilitonen zählte Johann Baptist Kurz (1881-1968), der spätere Generaldirektor der LIGA-Bank, der in seiner Kaplanszeit eine Doktorarbeit zur Geschichte von Heidingsfelders Heimat anfertigen sollte. Am bischöflichen Lyzeum hörte Heidingsfelder Kirchenrecht bei Josef Hollweck (1854-1926), der in die Vorarbeiten des 1917 promulgierten Codex Iuris Canonici eingebunden wurde. Daneben studierte Heidingsfelder Apologetik und neutestamentliche Exegese beim späteren Würzburger Diözesanbischof Matthias Ehrenfried (1871-1948) und Dogmatik bei Martin Grabmann (1865-1949). Auf die Priesterweihe im Jahr 1906 folgte ein Jahr in der diözesanen Pastoral, bevor er sich ganz der historischen Forschung widmete.
Bischof Leo von Mergel (1847-1932) erkannte das Potential des jungen Priesters. Daher erlaubte er Heidingsfelder den Umzug nach Würzburg, sodass er sich an der dortigen Universität weiterqualifizieren konnte. Ob der Ordinarius damit den Plan verband, Heidingsfelder dereinst als Professor nach Eichstätt zurückzuholen, muss offenbleiben. Heidingsfelder strebte nun aber kein theologisches, sondern ein philosophisches Doktorat an. Sein Betreuer wurde der österreichische Historiker Anton Chroust (1864-1945), was durchaus erstaunen konnte, galt der Profes-sor doch nicht gerade als kirchennah. Chroust und Heidingsfelder lernten sich trotzdem im Laufe der Zeit schätzen. Zeit seines Lebens erinnerte sich Heidingsfelder voller Achtung seines Würzburger Lehrers. Der junge Geistliche verdankte Chroust auch sein Promotionsthema. Heidingsfelder forschte zum spätmittelalterlichen Hochstift Eichstätt, wobei es ihm vor allem darum ging, die strukturellen Ursachen für die Bauernerhebung des Jahres 1525 herauszuarbeiten. Der Fokus der Arbeit lag auf rechtlichen und ökonomischen Aspekten. Im Hinblick auf den Bauernkrieg im Eichstätter Raum hielt Heidingsfelder nämlich religiöse Fragen, inklusive der lutherischen Reformation, für nachrangig. Heidingsfelders quellengesättigte Studie bildet bis heute eine brauchbare Grundlage zum Verständnis des spätmittelalterlichen Hochstifts Eichstätt und der Ursachen des Bauernkriegs in Süddeutschland. Die Dissertation wurde 1911 in den von Chroust herausgegebenen „Würzburger Studien zur Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit“ veröffentlicht. 
Auch sein weiterer wissenschaftlicher Werdegang war eng mit Chroust verbunden. 1904 hatte der Würzburger Universitätsprofessor die Gründung der „Gesellschaft für Fränkische Geschichte“ angeregt, deren erster wissenschaftlicher Leiter er wurde. Als zentrale Aufgabe der neuen Gesellschaft betrachtete Chroust die Herausgabe von Quelleneditionen zur fränkischen Geschichte. Dementsprechend wurde das Urkundenbuch der Benediktinerabtei St. Stephan in Würzburg ab 1907 von dem aus dem Habsburgerreich stammenden katholischen Priester Franz Josef Bendel (1875-1950) bearbeitet. Da das Verhältnis zwischen Chroust und Bendel kaum drei Jahre später vollkommen zerrüttet war, suchte die „Gesellschaft für Fränkische Geschichte“ einen neuen Bearbeiter. Dafür brachte Chroust nun seinen frischpromovierten Schüler, Heidingsfelder, ins Spiel. Bischof Leo ließ sich vom Würzburger Historiker überzeugen, den Geistlichen erneut freizustellen. So wurde Heidingsfelder Wissenschaftlicher Mitarbeiter der „Gesellschaft für Fränkische Geschichte“. Heidingsfelders Weg zum namhaften Historiker basierte somit gleichermaßen auf der Gunst seines akademischen Lehrers und dem Wohlwollen seines Eichstätter Ordinarius. 1912 erschien dann der von Bendel begonnene und von Heidingsfelder vollendete erste Band des Urkundenbuchs von St. Stephan. Ein Jahr später nahm er schon das nächste editorische Großprojekt in Angriff. Gemäß Chrousts Planungen bildete die Publikation der Regesten der fränkischen Bischöfe das Zentrum der ambitionierten Editionstätigkeit der „Gesellschaft für Fränkische Geschichte“. Als erstes sollten die Regesten der Bischöfe von Eichstätt publiziert werden. Dafür hatte sich nicht zuletzt Heidingsfelders Lehrer, der Eichstätter Kirchenrechtsprofessor Josef Hollweck, eingesetzt. Dem Kanonisten war die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Eichstätter Diözese schon lange ein persönliches Anliegen. Im Gesamtausschuss, dem zentralen Gremium der „Gesellschaft für Fränkische Geschichte“, machte sich Hollweck dementsprechend mit Erfolg für eine vordringliche Behandlung Eichstätts stark. Die Bearbeitung der Eichstätter Regesten wurde Heidingsfelder übertragen. Der editionserfahrene Eichstätter Diözesanpriester und Chroustschüler war dafür nachgerade prädestiniert. Heidingsfelder stützte sich auf die Vorarbeiten Michael Lefflads (1828-1900). Allerdings ging er weitaus systematischer und gründlicher vor. So wertete er anders als Lefflad auch in hohem Maße archivalische Quellen aus. Dafür war es nötig, mehrere Jahre in München zuzubringen, lagerten im dortigen Hauptstaatsarchiv doch die wichtigsten Bestände. Zwischen 1915 und 1938 erschienen dann die „Regesten der Bischöfe von Eichstätt bis zum Ende der Regierung des Bischofs Marquard von Hagel 1324“ in insgesamt sieben Heften. Eine eigenständige Weiterführung des Projekts unter der Federführung der „Gesellschaft für Fränkische Geschichte“ erübrigte sich schließlich, weil die jüngeren Eichstätter Bischofsregesten ab 1932 im Rahmen der „Monumenta Boica“ publiziert wurden. Die Fachwelt zollte Heidingsfelder große Anerkennung für seine Edition. Die auf den ersten Blick verwunderliche Tatsache, dass Heidingsfelder mehr als zwei Jahrzehnte an den Regesten arbeitete, die damit in gewisser Weise zu seinem Lebenswerk wurden, rührte von seinem beruflichen Wechsel nach Regensburg her.
Zum 1. Mai 1915 wurde der junge Historiker und Priester nämlich zum Professor für Kirchengeschichte, christliche Archäologie und Kunstgeschichte am königlichen Lyzeum Regensburg ernannt. Für Heidingsfelder bedeutete dies eine erhebliche Umstellung. Hatte er sich bis dato vornehmlich der Grundlagenforschung gewidmet, musste er nun in erster Linie angehende Priester ausbilden. Als mitreißender Vortragender galt er zwar nicht unbedingt. Ungeachtet dessen gewann er mit seiner klaren und schnörkellosen Rede die Achtung seiner Studenten und Kollegen.
Auch in Regensburg blieb Heidingsfelder dem Bistum Eichstätt persönlich und wissenschaftlich verbunden. So arbeitete er, wenngleich ihm weniger Zeit blieb, weiter an den Bischofsregesten. Daneben verfasste er die historische Einleitung zum Eichstätt-Band der „Kunstdenkmäler von Bayern“, den der Eichstätter Diözesanpriester und Kunsthistoriker Felix Mader (1867-1941) verantwortete. 
In Regensburg widmete sich Heidingsfelder darüber hinaus, der Denomination seiner Professur entsprechend, vermehrt kunsthistorischen Fragen. Sein Interesse an der Kunstgeschichte hatte Heinrich Wölfflin (1864-1945) geweckt, dessen Vorlesungen Heidingsfelder während seiner langen Forschungsaufenthalte in München besucht hatte. In den mehr als 25 Jahren als Profes-sor avancierte der Eichstätter Diözesanpriester Heidingsfelder zu einem der großen Kenner der Regensburger Stadt- und Bistumsgeschichte. Davon zeugten seine Lehrveranstaltungen ebenso wie seine Publikationen, öffentlichen Vorträge und Führungen. Heidingsfelder engagierte sich überdies als Ausschussmitglied im „Historischen Verein für Oberpfalz und Regensburg“ und im „Verein zur Erforschung der Regensburger Diözesangeschichte“. Angesichts seiner Forschungsschwerpunkte verwundert es nicht, dass er seit 1927 der „Kommission für Bayerische Landesgeschichte“ ebenfalls angehörte. 1930 trat der kirchenhistorisch beschlagene Regensburger Bischof Michael Buchberger (1874-1961), der das „Lexikon für Theologie und Kirche“ herausgab, an den Professor heran. Heidingsfelder wurde mit der kirchengeschichtlichen Fach-leitung ab dem Jahr 1000 betraut. Daneben steuerte er auch selbst mehrere Beiträge zum LThK bei, vor allem zur bayerischen und Regensburger Kirchengeschichte. Anfang der 1930er Jahre waren dann jedoch für ihn die Zeiten vorbei, in denen er sich ausschließlich der Forschung und Lehre widmen konnte.
1931 ernannte ihn nämlich der bayerische Kultusminister zum Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Regensburg. Heidingsfelder akzeptierte die Berufung nur höchst widerwillig und erst nachdem der bisherige Stelleninhaber, der Philosoph Joseph Engert (1882-1964), überdeutlich zum Ausdruck gebracht hatte, keine weitere Amtszeit anzustreben. Für mehr als ein Jahrzehnt, bis zu seinem Tod 1942, stand Heidingsfelder schließlich an der Spitze der Hochschule. Er führte sie in schweren Zeiten. Ab 1933 bemühten sich die neuen, nationalsozialistischen Machthaber den Lehrbetrieb in Regensburg zu behindern. Heidingsfelder gelang es zwischenzeitlich zwar, die Philosophische Abteilung der Hochschule zu erhalten. Er konnte indes nicht verhindern, dass sie um mehrere Professuren verkleinert wurde. Besonders schwerwiegende Auswirkungen zeigte die fortwährende Zermürbungstaktik des Reichskirchenministeriums auf die Theologische Abteilung der Hochschule. Vielfach wurden nämlich Nachbesetzungen vakanter Professuren verhindert. Heidingsfelder hatte einen Drahtseilakt zu vollführen. Am kürzeren Hebel sitzend, war er auf die Konzessionsbereitschaft der staatlichen Stellen an-gewiesen. Den Nationalsozialisten anbiedern wollte er sich jedoch nicht. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, Prorektor Engert, versuchte Heidingsfelder keinen Brückenschlag zum Nationalsozialismus. Konservativ und staatsloyal orientierte er sich an der politischen Linie, die Bischof Buchberger, mit dem ihn ein enges Vertrauensverhältnis verband, vorzeichnete. Wie seine Regensburger Kollegen und sein Bruder, der Eichstätter Hochschulprofessor Georg Heidingsfelder, unterzeichnete auch Franz Heidingsfelder 1933 das „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“. Man tut gut daran, daraus keine ideologische Nähe zum Nationalsozialismus abzuleiten. Wie andere Professoren auch verstand Heidingsfelder die Unterschrift nämlich nicht als Zustimmung zur rassistischen und kirchenfeindlichen Ideologie des Nationalsozialismus. Möglicherweise wollte er sich als Rektor auch nicht einer derartigen Geste des guten Willens gegenüber der neuen Reichsregierung verweigern. Für Heidingsfelder stand jedenfalls die Sorge um die Hochschule und ihre Studenten im Vordergrund. Umso bitterer war es für ihn, als die Hochschule auf staatlichen Erlass hin in Folge des Kriegsausbruchs 1939 geschlossen wurde. Dem Rektor blieb nur noch, den Kontakt zu seinen im Feld stehenden Studenten nicht gänzlich abreißen zu lassen. 1942 starb Heidingsfelder nach kurzer, schwerer Krankheit in Regensburg. Bestattet wurde er in seiner Heimatstadt. Ein Jahr später folgte ihm schon sein Bruder, Georg, ins Grab, den man schließlich neben ihn bettete. 
Den beiden Professoren ist heute eine Straße in Wolframs-Eschenbach gewidmet. In Eichstätt ist der Heidingsfelderweg nach Franz Heidingsfelder benannt.
Heidingsfelder war gleichermaßen ländlich und katholisch sozialisiert. Seine Heimat blieb Wolframs-Eschenbach in der Diözese Eichstätt. Für seinen wissenschaftlichen Werdegang wurde Würzburg entscheidend. Hier traf er auf Anton Chroust. Auf ihn ging Heidingsfelders hohe Wertschätzung für die archivalischen Quellen und seine intensive Editionstätigkeit zurück. Auch seine Forschungsschwerpunkte verraten den Einfluss seines akademischen Lehrers. Heidingsfelder erwies sich nämlich als ein Kirchenhistoriker mit landesgeschichlichem Profil. Seine For-schungen konzentrierten sich auf die Regensburger und Eichstätter Kirchengeschichte, insbe-sondere deren kunsthistorische Aspekte. Mit den „Regesten der Bischöfe von Eichstätt“ schuf Heidingsfelder eine bleibende Grundlage für die Erforschung des ehemaligen fränkischen Hochstifts.

Florian H. Geidner

Werke von und über Prof. Heidingsfelder