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Ludwig Bruggaier

Ludwig Bruggaier wurde am 18. Januar 1882 in Ingolstadt als Sohn eines Hauptmanns der Kgl. Bayer. Armee geboren. Er studierte am Bischöflichen Lyzeum in Eichstätt und wurde 1905 zum Priester geweiht. Nach anschließender kurzer Gemeindeseelsorge in Dollnstein und Kaldorf ernannte ihn Bischof Johannes Leo von Mergel OSB (1847-1932) zu seinem Sekretär. Er wurde Domvikar. Eichstätt, die Diözese und ihre Hochschule, blieben fraglos der Mittelpunkt seines Lebens, seines Forschens und Arbeitens. Bruggaier übernahm auch den Religionsunterricht am Institut der Englischen Fräulein. Seine präzise Vorbereitung war ihm gewissermaßen eine Repetition der kirchlichen Lehre, wie das durchschossene und reichlich bearbeitete Exemplar des „Lehrbuchs der katholischen Religion, zunächst für die oberen Kurse der Lehrerbildungsanstalten und der Realschulen“ in seinem Nachlass belegt. Zugleich arbeitete er an seiner Promotionsschrift über die Wahlkapitulationen der Eichstätter Bischöfe und Reichsfürsten; promoviert wurde er von der Universität Freiburg im Breisgau 1912; seine Arbeit erschien 1915 in den Freiburger Theologischen Studien. 1916 wird er zunächst als außerordentlicher Professor für Philosophie am Lyzeum eingesetzt. Er orientierte sich an einer neuscholastisch ausgerichteten „philosophia perennis“. Zu seinen Kollegen gehört auch Georg Wohlmuth (1865-1952), der Landtagsabgeordnete und (von 1924 bis 1933) Fraktionsvorsitzende der Bayerischen Volkspartei, der am Zustandekommen des Bayerischen Konkordates 1924 wesentlich beteiligt war. Die prekäre finanzielle Situation der Eichstätter Lehranstalt begünstigte häufige Fächerwechsel seiner Lehrer. 1920 bis 1926 übernahm Bruggaier mit dem Lehrstuhl für Kirchenrecht die Nachfolge Joseph Hollwecks (1854-1926); sein Arbeitsschwerpunkt aber lag in der Katechetik, die er zeitgleich übernahm und bis 1951 vermittelte. 1924 trat er als Hauptschriftleiter in die Verantwortung für die monatlich erscheinende Verbandszeitschrift des bayerischen Klerusverbands, die „Blätter für den katholischen Klerus“, 1925 umbenannt in „Klerusblatt“, die Zeitschrift der katholischen Geistlichen in Bayern und der Pfalz. Beigefügt wurden bis 1935 „Literarische Beilagen“. Er redigierte die Zeitschrift bis 1939 und musste die erwartbaren nationalsozialistischen Repressalien aushalten. Nicht zu vergessen ist auch das „Pfarramtsblatt“, das die Mitteilungen aus Amtsblättern für den katholischen Klerus Bayerns enthielt. Es erschien von 1923 bis 2004, redigiert von Bruggaier und Joseph Gmelch (1881-1945), zuletzt von Josef Lederer (1922-2010).

Seine diözesangeschichtlichen Interessen pflegte er weiterhin als Mitglied der Gesellschaft für fränkische Geschichte sowie des Historischen Vereins Eichstätt, der sich seit der Gründung 1886 der Geschichte der Stadt, des Landkreises Eichstätt und des ehemaligen Hochstiftes widmet. Dort war er 10 Jahre lang der erste Vorsitzende, bis er 1933 im Zuge der Gleichschaltungsgesetze abgelöst wurde; nach dem Krieg unterstellte er sich kurzzeitig 1947/48 wieder dieser Aufgabe. Seine Vorträge betrafen Themen des Domkapitels und der Bischöfe, aber auch der lokalen Kunstgeschichte.

Domkapitular wurde Bruggaier 1926. Aufgrund kirchenrechtlicher Änderungen war eine Statutenänderung des Kapitels 1927 notwendig. Bruggaier erarbeitete dazu zusammen mit Domkapitular Franz Xaver Hacker (1867-1943) den Entwurf. Seine Mitarbeit ist in seinem Nachlass (UBEi, Nl 123) dokumentiert. Bei der Vakanz des Bischofsstuhles nach dem Tod Mergels 1932 votierte das Domkapitel deutlich für ihn als Nachfolger. Mergel hatte ihn bei seiner letzten Triennalliste als erfahrenen Kanonisten empfohlen; sein Lebenswandel sei gewissenhaft und tadellos und er sei außerordentlich ehrgeizig. Der Bischof von Hildesheim, Nikolaus Bares (1871-1935), hatte Bruggaier 1930 schon für den Ermländer Bischofsstuhl vorgeschlagen. Selbst Bayerns Ministerpräsident Heinrich Held (1868-1938) lässt beim Heiligen Stuhl ausrichten, dass er Bruggaier für den geeignetsten halte, und dies, obwohl Bayern seit 1924 kein aktives Mitbestimmungsrecht bei der Bestellung der Bischöfe mehr hatte. Die römische Entscheidung fiel jedoch auf Betreiben des Nuntius in Bayern Alberto Vassallo di Torregrossa (1865-1959) auf Konrad Graf von Preysing (1880-1950), den späteren Bischof von Berlin und Kardinal.

1933 gelangte Hitler an die Macht. Im November erschien das „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“ mit ca. 900 Unterschriften. Die Namen der Eichstätter Professoren gehören dazu, alle bis auf einen: Ludwig Bruggaier fehlt. Die Hintergründe und die Intentionen bei diesem Vorgang sind noch nicht hinreichend aufgearbeitet.

1935, nach dem Weggang Preysings nach Berlin, wurde der bisherige Eichstätter Seminarregens, der Rektor und damit der Vorsitzende des Professorenkollegs Michael Rackl (1883-1948) Bischof von Eichstätt. Der Arbeit in der Diözese widmete sich Bruggaier noch intensiver. Seit 1932 stand er bereits als Offizial dem diözesanen Kirchengericht vor, bis er 1939 zum Generalvikar und zum Ordinariatsdirektor ernannt wurde. Beide Stellungen behielt er bis 1941; zuvor war er 1940 schon als Dekan zum Dignitär des Domkapitels aufgestiegen. 1941 erhielt er die Verantwortung des canonicus theologus, der (zumindest nominell) für die theologische Lehre, Predigt und Ausbildung innerhalb der Diözese zuständig war. Zu den zahlreichen, verantwortungsvollen Aufgaben in der Leitung des Bistums, zu den Sorgen um Schulen, Priester und kirchliche Einflussmöglichkeiten bei den Beschränkungen und Schikanen der nationalsozialistischen Zeit kam während des Krieges auch die grundlegende Renovierung der Kathedralkirche, deren neugotische Umgestaltung als düster empfunden worden war.

Bruggaier wurde nach dem Tod Bischof Rackls 1948 Kapitularvikar. Bei den Exequien hielt er die Predigt, zu der Kardinal Faulhaber in seinen Tagebüchern notiert: „kurz“. Im gleichen Jahr wurde wieder auf Bruggaier als Ordinariatsdirektor zurückgegriffen, was er bis ins hohe Alter von 84 Jahren (bis 1966) blieb. Seine besondere Sorge galt vor allem Schul- und Bildungsfragen, auch in Rücksicht auf die Erwachsenenbildung. Die Umwälzungen des Krieges und der Wiederaufbau verlangten auch von der Diözese neue Anstrengungen: Der Zustrom katholischer Flüchtlinge in den evangelischen Gebieten Mittelfrankens erforderte den Aufbau neuer Gemeinden, den Bau neuer Kirchen, auch von Wohnungen. Bruggaier war tätig in verschiedenen Vereinen und Organisationen, so auch im diözesanen Siedlungswerk. Reichliche Arbeit und die damit verbundene Verantwortung übernahm er gerne. Die mit der zunehmenden Säkularisierung verbundenen gesellschaftlichen und kirchlichen Umwälzungen beobachtete er mit Sorge. Beim Seminarjubiläum 1964 bemerkte er die Tragik, „daß gerade der äußere Wohlstand unseres Volkes für so viele der Grund ist, die Ursache für den seelischen Niedergang, für die geistige, seelische Zerrüttung“. Anerkennende Ehrungen blieben nicht aus: Schon 1943 wurde er päpstlicher Ehrenprälat, 1952 sogar Apostolischer Protonotar. 1959 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden; die Stadt Eichstätt zählt ihn zu ihren „Ehrenbürgern“. Bei den Bischöfen Joseph Schröffer (1903-1983; in Eichstätt Bischof 1948-1967; dann an der Kurie in Rom, Kardinal 1976) und Alois Brems (1906-1987) war er Dompropst, von 1952 bis 1970.

Er starb am Karsamstag, den 28. März 1970.

 

Prof. Erich Naab

Quellen und Literatur